Gedanken zum Frieden

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E
s treibt mich um. Es kann doch nicht sein, dass wir bis jetzt Frieden hatten, wenn auch vermeintlich und schon gar nicht überall. Jetzt aber in einer solchen geographischen und emotionalen Nähe dieser Frieden in Kriegt verkehrt ist, dass Position einnehmen geboten erscheint.

Ist Frieden lediglich ein kriegsfreier Zustand? Frieden ist doch vielmehr ein ständiger Prozess, in dessen Verlauf das Bemühen/Bestreben/der Kampf um den Erhalt bzw. die Wieder -Herstellung eben jenes friedlichen Miteinanders steht und als Leitstern leuchtet.

Der Frieden in der Stadt und auf der Erde beginnt aber viel früher und ist weitestgehend unabhängig vor Religion, Region, Nation etc. zu sehen.

Für mich ist die Familie in all ihren Formen und Varianten nach wie vor die wichtigste weil elementare Zelle des Miteinander. Und hier wird Frieden gelebt, hergestellt, hinterfragt, ja, und auch zerstört. Das hat aber in jedem Falle eine Ursache im inneren Frieden eines jeden Menschen. Trage ich den Frieden im Herzen, der nicht immer nur in Friedfertigkeit seinen Ausdruck findet, sondern vielmehr in der Hin- und Zuwendung zu meinem nächsten Menschen? 

Und spiegelt dies nicht mein eigenes Sein, für mich und andere?

Hier liegt für mich ein Ausgangspunkt für den Frieden, nach dem wir uns gerade jetzt alle so sehnen.

Vor diesem Hintergrund ist Frieden möglich in der familiären Beziehung, zu den Nachbarn, im Umfeld unserer durch eine Art Patchwork darzustellenden sozialen Verbindungen und findet in alle Regel Zustimmung und die Bereitschaft zum Tun, zur Aktion für den Frieden. Sei es durch  Handeln, Interagieren oder Überdenken der eigenen Position und der Reflektion darüber, inwieweit ich selbst etwas dafür tun kann, nicht nur fordernd vom jeweils anderen mir scheinbar konträr gegenüber sich befindenden Menschen.

Um Frieden stiften zu können braucht es wie bei jedem Stiftungsprozedere ein Kapital, hier das Ruhen im eigenen Frieden, das sich bewußt sein der eigenen Fehlbarkeit, gepaart mit der Bereitschaft für Offenheit und Kompromisse und der Fähigkeit des Zuhörens, der Empathie, des Mitgefühls und auch des klaren Denkens. Die scheinen auf den ersten Blick alles Gegensätze zu sein. Beim näheren Betrachten sind es aber Kettenglieder in einer Reihe von Gedanken und Gefühlen, die unabdingbar sind für den inneren Zustand des bzw. eines Friedens

Tragt den Frieden in die Welt – das klingt großartig, ist oder beginnt aber schon mit dem kleinen Lächeln, dem Kopfnicken zur Begrüßung, dem Aufhalten der Tür für den Nächsten, dem Zeigen von Aufmerksamkeit, Rücksicht und bitte auch Respekt dem Nächsten gegenüber – da haben wir, habe ich viel verlernt, vergessen, verloren. Und ja, auch vermisst. Und hier wäre für die, die das vermissen doch den Einstieg, ein Neubeginn der Zuwendung, die dann hoffentlich auf fruchtbaren Boden fallend, wachsen kann.

Also Hoffnung!? Ja, Hoffnung, solange ich atme! Denn ohne eben diese Hoffnung wird es wohl nicht gelingen das Ziel Frieden anzugehen und auch nicht die Niederlagen und Enttäuschungen auf dem Weg dahin zu überstehen und daraus auch noch Kraft zu schöpfen für die Arbeit an einem friedlichen Miteinander von Menschen, egal wo, wann, immer wieder von Neuem beginnend und das sollte unser Friedensangebot, unser Friedensauftrag sein.

 

Ernst-Michael Christoph
Illustrationen: Harry Flosser

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